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Der Schriftsteller Balzac zu seiner Zeit

 

Die vorliegende Seite entstand in Zusammenhang mit meinem Vortrag über das Leben und Werk Honoré de Balzacs anlässlich des 200sten Geburtstages des großen Schriftstellers am 20. Mai 1999.

Balzac schrieb in seinem kurzen, 51 Jahre währenden Leben über 100 Romane und unzählige Zeitungsartikel, Handbücher, Theaterstücke, Glossen, Essays.

Was für ein intensiver Vielarbeiter, der oftmals Tage und Nächte am Stück durchschrieb, er war, erkennt man noch deutlicher aus der Tatsache, dass er erst als Dreißigjähriger die ersten Romane unter seinem eigenen Namen veröffentlichte.

Die letzten 5-6 Jahre seines Lebens schrieb er wenig bis nichts mehr, weil er sehr krank war. Dieses umfangreiche Gesamtwerk verfasste er also während ungefähr 15 Lebensjahren.

Er galt bereits zu seinen Lebzeiten als schriftstellerisches Genie, war eine Zeit lang der gefeierte "Mode-Autor", wurde in ganz Europa gelesen und war mit vielen bedeutenden Schriftstellern und auch Künstlern Europas der damaligen Zeit bekannt oder befreundet: Victor Hugo, George Sand, Alexandre Dumas, Heinrich Heine, Frederic Chopin, Franz Liszt, Rossini um nur einige zu nennen.

Johann Wolfgang von Goethe bemerkte in seinem Tagebuch, nachdem er eines der Erstlingswerke Balzacs, "Die tödlichen Wünsche oder das Chagrinleder", gelesen hatte, es sei "ein vortreffliches Werk neuester Art". (aus Beilharz, Darmstadt, 1979, S. 43)

Und Dostojewkij schrieb 1838 an seinen Bruder, nachdem er fast alle bis dahin erschienen Bücher Balzacs gelesen hatte: "Balzac ist groß. Seine Charaktere sind Schöpfungen eines weltumfassenden Geistes! Nicht der Zeitgeist, sondern ganze Jahrtausende haben in ihrem Ringen in der Seele des Menschen eine solche Entwicklung und Lösung gezeitigt" (Curtius, Bern-Bümpliz, 1951, S.384).

Ein Freund Dostojewskijs äußerte: "Balzac war unser liebster Dichter; wir beide hielten ihn für den weitaus bedeutendsten französischen Schriftsteller." (ebda.)

Dostojewkij übersetzte übrigens Balzacs Meisterwerk "Eugénie Grandet" ins Russische. (ebda.)

Der damals viel gelesene englische Autor Robert Browning erwähnte in einem Briefwechsel, er habe allen englischen Romanschreibern den Laufpass gegeben, seitdem er Balzac kennengelernt habe. (ebda.)

Selbst der Erzfeind Balzacs, der gefürchtete Journalist und Kritiker Sainte-Beuve, schrieb in einem Nachruf-Zeitungsartikel (1850) über Balzac: "Alle Künstler seiner Zeit waren seine Freunde", und ... Balzacs Erfolg sei in Europa vielleicht noch "größer und unbestrittener" gewesen als in Frankreich." (Beilharz, Darmstadt, 1979, S.28)

Der Schriftsteller Victor Hugo besuchte Balzac, als er bereits dem Tod nahe war, regelmäßig und äußerte von seinem letzten Besuch von Balzacs Sterbebett heimgekehrt gegenüber seinen Freunden: "Meine Herren, Europa ist im Begriff, einen großen Geist zu verlieren." Und am Grab Balzacs auf dem Friedhof Père-Lachaise hielt Hugo eine Grabrede, in der er betonte, dass er "diesen mächtigen, unermüdlichen Arbeiter, diesen Philosophen, diesen Denker" für ein Genie hielt. (ebda. S. 32)

 

 

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