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Balzac im Alter von dreißig Jahren

Mit dreißig Jahren stand unser Freund Honoré an einem entscheidenden Wendepunkt seines Lebens:

Er hatte das erste Buch unter eigenem Namen "Der letzte Chouan" herausgegeben und sich damit von der Romanfabrik-Tätigkeit
   verabschiedet.

Sein Vater war drei Monate nach Erscheinen dieses Buches gestorben.

Er war durch "Die Physiologie der Ehe" ein gefeierter Bestseller-Autor geworden.

Und Balzac hatte zwei interessante Frauen kennen gelernt, die seinen weiteren Werdegang - jede auf ihre eigene Art - stark beeinflussen sollten.

Die eine Frau, der er begegnete, war eine Schulfreundin seiner Schwester namens Zulma Carraud. Er traf sie, als er seine Schwester in Versailles besuchte, und sofort merkten beide, dass sie eine große Seelenverwandtschaft zueinander hatten.

Zulma Carraud, eine unscheinbare, glücklich verheiratete Frau, keine Schönheit, leicht gehbehindert, eine typische "graue Maus", jedoch eine Frau von Geist und Bildung, mit der Balzac sich intensiv über seine Schriftstellerei austauschen konnte.

Sie sollte die vertrauteste Freundin Balzacs werden, die ihn durch alle guten und schlechten Zeiten seines weiteren Lebens treu begleitete und ihm immer mit Rat, Hilfe, Trost, Ermutigung, Kritik zur Seite stand.

Die zweite Frau, der er bereits im Jahr 1826 begegnete, war die Herzogin d'Abrantès.

    Die Herzogin d'Abrantes

Diese Frau war die klassische Ausgabe der Femme fatale, der Szene-Frau. Als Witwe des berühmten, hochdekorierten Generals Napoleons, Junot, war sie bekannt mit allen Leuten von Bedeutung in Frankreich. Sie wusste allen Klatsch, kannte Gott und die Welt, war in allen Salons zu Hause und hatte den absoluten Riecher für den kommenden Ruhm Balzacs.

Balzac begann mit ihr eine heiße Affäre. Doch auch als diese sexuelle Geschichte vorbei war, blieben die beiden gute Freunde.

Die Herzogin begann, bereits bevor der Kassenschlager "Physiologie der Ehe" erschien, Balzac regelrecht als Star aufzubauen.

Zunächst bestimmte sie, dass Balzac unbedingt ein neues Outfit benötigte. Die beiden zogen los in die chicsten Herrenausstatter-Geschäfte von Paris, und die Herzogin machte Balzac mit Paris bestem Schneider, Buisson, der später ein Freund Balzacs wurde, bekannt. Ich bin nicht ganz sicher, aber ich glaube, Balzac hat Buisson niemals nur einen roten Heller für die Garderobe bezahlt, obwohl er ab diesem Zeitpunkt Stammkunde wurde.

Er "bezahlte" seine Rechnungen beim Schneider, indem er Buisson in seinen Romanen erwähnte, was diesem Kundschaft in Hülle und Fülle bescherte.

Madame d'Abrantès gelang das, woran andere Frauen, z.B. Balzacs Mutter oder Madame de Berny, gescheitert waren: Sie verpasste Balzac eine erstklassige Garderobe und unterrichtete ihn darin, wie man sich in der höheren Gesellschaft zu benehmen hatte. Sie führte Balzac in die großen Salons ein und schleifte ihn mit zu allen Festen, Empfängen, Operngalen, Theateraufführungen.

Außerdem beriet sie Balzac, den Eheunerfahrenen, bei seinem Bestseller "Physiologie der Ehe". Ein Gerücht, welches nach Erscheinen des Buches kursierte, war, dass es von Madame d'Abrantès verfasst sei, da sie bekanntermaßen selbst als Schreiberin tätig war.

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