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Katastrophen Mitte der 30er Jahre 

Immerzu träumte Balzac in seinem Leben davon, dass er durch irgendeinen Coup seine Schuldenlast doch noch würde abschütteln können, doch die Projekte, die er diesbezüglich in Angriff nahm, scheiterten genau wie alle anderen Ideen vorher:

So konnte er den Plan, eine reiche Frau, am besten eine vermögende Witwe, zum Heiraten zu finden, nicht verwirklichen, obwohl er mehrere Anläufe in diese Richtung unternahm. Vielleicht hätte es geklappt, wenn er jung, schön, adlig gewesen wäre, aber so brachte er an Mitgift einzig sein Genie und seine hohen Schulden mit.

Auch seine spätere Firmengründungsidee im Jahr 1838, in der es darum gehen sollte, die alten Silberminen der Römer auf der Insel Sardinien neu auszubeuten, machte sich der betrügerische Italiener Pezzi zu eigen und übervorteilte Balzac, der bei dem Projekt leer ausging, während Pezzi ein Millionenvermögen erwarb.

Ferner Balzacs Idee, es doch nochmals als Bühnenautor zu versuchen und mit einem Theaterstück viel Geld zu verdienen. Diese Idee scheiterte ebenfalls an unglücklichen Umständen. Sein Theaterstück "Vautrin", z. B., überlebte nicht einmal die Premiere und wurde ausgebuht.

Sein Plan, mit Börsenspekulationen reich zu werden - er kaufte auf Anraten des Barons Rothschild Eisenbahnaktien, was später der Hit werden sollte - wurde durch einen Börsencrash aufgrund der zweiten bürgerlichen Revolution von 1848 auch zunichte gemacht.

Seine Literaturzeitschrift "Chronique de Paris": ein Flop.

Sein innigster Wunsch, nämlich in die "Akademie francaise" aufgenommen zu werden, ging nicht in Erfüllung. "Akademie francaise" (das höchste Gremium der französischen Schriftsteller, ein völlig elitärer Verein, dessen adlige Mitglieder niemals so einen Emporkömmling wie Balzac in ihre Reihen gelassen hätten, was gegen das Gremium und nicht gegen Balzac spricht!).

Sein Plan durch den Umzug in eine Wohnung auf dem Lande - nicht weit von Paris - Geld zu sparen: gescheitert, weil er natürlich das Häuschen "Les Jardies" im pompösen Stil umbauen ließ, was mehr Geld fraß, als jede chice Stadtwohnung.

Seine Ideen, dort unter Glas Ananas zu züchten oder Kühe zu halten, ließen sich auch nicht verwirklichen. Nach drei Jahren "Les Jardies" kehrte Balzac wieder nach Paris zurück und kaufte das Haus im Ortsteil Passy, Rue Basse (heute Rue Raynouard), wo sich jetzt das Balzac-Museum befindet. (Bilder des Hauses und des Gartens im Jahr 2001 s.u., Bilder B. Licht)

Am 22. Dezember 1834 schrieb er an Frau von Hanska (seine zukünftige Frau):

"Es ist etwas Schreckliches um die Armut, ihretwegen zeiht man uns die Herzlosigkeit, und alles wird durch sie zur Unnatur. Bei mir muss das Talent und die Gabe zu schreiben den gleichen Schritt mit meinen Zahlungsterminen halten. Ich darf weder krank noch leidend, noch schlecht aufgelegt sein. Aus Stahl und Eisen müsste ich sein, wie der Prägehammer der Münze, und immerzu prägen, prägen!" (Balzac, zusammengestellt von Werner Fuchs-Hartmann, Leipzig 1940, S. 285) 

Passy war früher ein Dorf, welches noch nicht zu Paris gehörte. In dem bescheidenen Häuschen in der ehemaligen Rue Basse (heute Rue Raynouard) wohnte Balzac einige Jahre unter falschem Namen. Heute befindet sich das Museé Balzac in dem Haus mit dem verträumten Garten.

Zwei Ausgänge weist das Haus auf, und Balzac nutzte sie, um sich immer wieder vor der Schar der Gläubiger aus dem Staub zu machen. An der Tür mussten die Besucher den Codesatz "Ich bringe Brüsseler Spitzen" melden; ohne den richtigen Code trafen sie Balzac nicht an.

Es ist unvorstellbar, dass über Balzacs Arbeitszimmern in dem Haus noch fünf Arbeiterfamilien mit vielen Kindern hausten. Die Angewohnheit, nachts aufgeputscht mit Kaffee zu schreiben, wurde auch aus diesem Umstand geboren, weil Balzac so nicht vom täglichen Lärm der Familien gestört wurde. Die Frage bleibt: Wie konnte Balzac dann tagsüber schlafen?

Heute ist der Stadtteil Passy zur noblen Wohngegend aufgestiegen, der "feine Westen" von Paris. Anwalts- und Notarskanzleien, Immobilienmakler oder Botschaftsgebäude. Direkt neben dem Balzac-Museum z.B. siedelte sich die türkische Botschaft in einer gepflegten Villa an.

                            Garten des Hauses in Passy. Zwischen den Büschen eine verwitterte Balzac-Büste.

 

Die Balzac-Büste noch mal etwas vergrößert!

 

                                                            Blick vom Garten des Balzac-Hauses zum Eifelturm

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