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Treffen mit der Unbekannten

 

Der glühende Briefwechsel zwischen Balzac und seiner "Unbekannten" rief in ihnen beiden nach und nach den unbändigen Wunsch wach, sich leibhaftig zu begegnen.

Für Untergebene des russischen Zaren war es aus politischen Gründen zu der Zeit verboten, nach Frankreich zu reisen. Auch Reisen in andere europäische Länder wurden nur sehr ungern gesehen.

Doch es gelang Evalina, ihren Mann dazu zu überreden, mit ihr in die französische Schweiz, nach Neuchâtel, zu reisen.

In ihrem Briefwechsel verabredeten die beiden, dass Balzac im September 1833 - also ca. ein dreiviertel Jahr nach ihrem ersten Briefkontakt - ebenfalls nach Neuchâtel kommen sollte, um Evalina kennenzulernen.

Die Affäre wurde in aller Heimlichkeit vorbereitet: Honoré erzählte seinen Freundinnen eine hübsche Lügengeschichte und reiste unter falschem Namen - dem seiner vermeintlichen adligen Vorfahren d'Entragues - per Kutsche nach Neuchâtel.

Dort verabredeten die beiden ein Blind-Date, was natürlich eine spannende Sache ist. Balzac kannte bis zu diesem ersten Treffen weder Namen (weil die Briefe gingen ja an die Gouvernante Henriette Borel), noch genaue Lebensumstände seines Schwarms. Kraft seiner Phantasie hatte er sich Evalina so zurecht geformt, wie er wollte. Evalina hatte in ihren Briefen teilweise geschwindelt: ihr Alter z.B. hatte sie ihm mit 28 angegeben, was allerdings nicht stimmte, sie war 33. Und auch Evalina hatte sich durch die vielen, z. T. völlig übertriebenen Liebesbriefe Balzacs ein sicherlich falsches Bild ihres Verehrers gemacht.

Wir sind jetzt alle gespannt, wie die erste Begegnung verlief.

Leider ist über das Ereignis wenig überliefert. Balzac sollte sich in einem kleinen Hotel in der Nähe des Domizils der von Hanskis einmieten, und dort sollte er die Umstände des ersten Treffens erfahren. Die beiden trafen sich wahrscheinlich auf der Kurpromenade Neuchâtels, erkannten sich sofort, und bereits am gleichen Abend wurde Balzac zum Abendessen bei den von Hanskis eingeladen und dem ahnungslosen Ehemann als Zufallsbekanntschaft vorgestellt.

Doch während dieser ersten gemeinsamen Zeit war es weitgehend unmöglich, sich irgendwie näher zu kommen, so wie Balzac es sich heimlich ausgedacht hatte.

 

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