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Balzacs Tod

 

Ab dem Zeitpunkt seiner Rückkehr aus Wierzchownia im Mai 1850 war Balzac bettlägerig.

Ein einziger Brief Balzacs aus der Rue Fortunée ist erhalten. Es ist ein Brief von Evalinas Hand, geschrieben an Balzacs Freund Théophile Gautier. Von ihm selbst mühsam gekritzelt stehen nur am Rand die Worte: "Ich kann nicht mehr lesen und nicht mehr schreiben."

In den letzten Tagen seines Lebens stellten sich geistige Verwirrungen ein, die dazu führten, dass er z.B. nach einer von ihm geschaffenen Romanfigur, dem Arzt Bianchon, rufen ließ. Er ließ sich nicht davon abbringen, dass er mit Hilfe Bianchons wieder gesund werden würde.

Eine bewegende Beschreibung des sterbenden Balzac ist von Victor Hugo überliefert, der den Freund wenige Stunden vor seinem Tod aufsuchte.

Es ist überliefert, dass Evalina sich um den sterbenden Balzac nicht aufopfernd kümmerte. Allerdings wurde ihr von dem Biographen Octave Mirbeau sehr unrecht getan, der behauptete, sie hätte die Sterbenacht Balzacs im Nebenzimmer mit ihrem späteren Lebensgefährten (von 1852 - 1882 = 30 Jahre!), dem Maler Jean Gigoux, verbracht.

Diese Geschichte wurde leider von anderen Biographen unhinterfragt übernommen.

Von Evalinas Tochter Anna, die ein gerichtliches Verbot der Ausgabe von Mirbeaus Balzac-Biographie erwirkte, wurde angegeben, dass ihre Mutter den Maler erst zwei Jahre nach Balzacs Tod kennen lernte, was sich als zutreffend herausstellte.

Jedoch bewies Evalina mit ihrem Arrangement der Beerdigung, wie wenig sie über ihren Ehemann wusste. Als Sargträger wurden die Schriftsteller Alexandre Dumas und Victor Hugo bestimmt sowie der Kritiker Sainte-Beuve und der Minister Baroche.

Dumas und Sainte-Beuve waren erklärte Feinde Balzacs, der Minister Baroche kannte ihn gar nicht, einzig Victor Hugo, der auch eine Grabrede hielt, stand Balzac zu Lebzeiten nahe.

Balzacs Tod war tragisch. Er starb völlig verbraucht, blind, einsam und ohne dass es ihm gelungen war, sein geplantes Werk "Die menschliche Komödie" zu vollenden (Von 137 anvisierten Werken konnte er nur 90 fertig stellen und veröffentlichen).

 

                           

                                    Balzacs Grab auf dem Friedhof Pere Lachaise (Bilder entnommen: www.findagrave.com/pictures/51.html

 

Eine der berühmtesten Szenen der "Menschlichen Komödie" lässt Balzac auf dem Friedhof "Pere Lachaise" spielen, unweit der Stelle, an der sich später sein Grab befinden wird.

Der Romanheld Rastignac blickt vom am Berg gelegenen Friedhof hinunter auf die Großstadt Paris, die er sich geschworen hat zu erobern:

 "Rastignac war allein. Er ging einige Schritte auf die Anhöhe des Friedhofes zu und blickte hinunter auf Paris, das sich mit seinen Windungen und Krümmungen an den beiden Ufern der Seine entlang zog, und wo die Lichter zu funkeln begannen. Seine Augen blieben fast gierig an der Säule auf dem Place Vendôme und dem Invalidendom haften, dort wo die schöne Welt lebte, in die er hatte eindringen wollen. Er schenkte diesem summenden Bienenhaus einen Blick, der im voraus allen Honig daraus zu saugen schien und sprach die großartigen Worte: "Und jetzt zu uns beiden!" Um den Kampf gegen die Gesellschaft aufzunehmen, begab sich Rastignac zu Madame zum Dinner."

 

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