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Letzte Jahre

 

Als Balzac nach Polen zu Evalina ging, war er bereits ein sehr kranker Mann.

Praktisch das ganze Jahr 1849 siechte er auf Wierzchownia vor sich hin.

Zu seiner schweren Herzkrankheit kam noch eine Art Malaria, "Moldau-Fieber" genannt, hinzu, welches ihn mit schweren Fieberattacken heimsuchte.

Als Evalina merkte, wie krank Balzac war und von ihren Ärzten gesagt bekam, dass er bald sterben würde, beschloss sie, ihn doch noch schnell zu heiraten. Grund ihres Sinneswandels war, dass sie begann, sich in Polen als Gutsherrin zu langweilen. Um den Zugriff des russischen Zaren auf ihr Land bei Verheiratung mit einem Ausländer umgehen zu können, übertrug sie Wierzchownia auf ihren Schwiegersohn Graf Mniszech und ließ sich dafür von ihm eine stattliche Rente auszahlen.

Evalina plante, als Witwe des berühmten Balzac in Paris ein anregendes und schönes Leben zu führen.

Die meisten Biographen tun meiner Auffassung nach Evalina von Hanska Unrecht. In den meisten Beschreibungen tritt sie als selbstsüchtige und verwöhnte Adlige auf, die im Grunde genommen nicht an Balzac interessiert ist und ihn nie wirklich geliebt hat. Schriftliche Zeugnisse von Balzacs Seite (auch von Evalinas Seite) über ihrer beider innige Liebesverbindung werden von Biographen angezweifelt. Sie nehmen an, Balzac, der Phantast, hätte sich über das wahre Wesen Evalinas selbst etwas vorgemacht. Es gibt jedoch genügend erhaltener unzweifelhaft echter Briefe, die die herzliche Liebesgeschichte der beiden beweisen.

Die beiden heirateten im März 1850, fünf Monate vor Balzacs Tod.

Balzac schrieb seiner Mutter, wie sie das Haus in der Rue Fortunée für den Empfang vorzubereiten hätte, und Evalina und Honoré reisten bereits im April nach Paris.

Die Reise war für Balzacs Zustand eine unendlich harte Probe. Er litt zu dieser Zeit unter ständigen Schmerzen und Atemnot und war fast blind geworden. Die Straßenverhältnisse und das Wetter waren sehr schlecht, und sie brauchten von Polen bis Dresden vier Wochen, wofür normalerweise sechs Tage gereicht hätten.

Der Empfang in Paris stellte sich als Katastrophe heraus. Anne Charlotte, Balzacs Mutter, hatte zwar alles so ausgeführt, wie ihr Sohn verfügt hatte: Kerzen, Blumenschmuck usw., es war jedoch nicht abzusehen gewesen, dass der Diener, der stets auf die Ankunft der Reisenden im Haus vorbereitet sein sollte, überschnappen würde und kurz vor Balzacs Eintreffen alles im Haus zerstören würde.

Als der schwerkranke Balzac mit seiner Frau abends eintraf, hatte sich der Diener im Haus verschanzt und die Tür verbarrikadiert.

Ein Schlosser musste die Tür aufbrechen, der randalierende Diener musste eingefangen und in eine Irrenanstalt gesteckt werden.

 

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