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Treffen mit Evalina in Genf

 

Balzac gab das schöne Gold, welches er durch Verkaufscoups seiner Bücher in Paris erworben hatte, innerhalb kürzester Zeit wieder aus, um sich z.B. in Genf im Dezember 1833 erneut mit Evalina treffen zu können.

Evalina von Hanska, ca. 1825 (Miniatur auf Holz von Sowgen)

Wir schätzten allerdings Honoré verkehrt ein, wenn wir annähmen, er vernachlässigte seine Arbeit. Auch in seinen dreieinhalb Wochen in Genf arbeitete er ohne Pause täglich von nachts um zwölf Uhr bis zum nächsten Mittag um zwölf Uhr. Nur die Nachmittagsstunden verbrachte er mit Evalina.

Und während Madame Hanska mit ihrer Familie quer durch ganz Europa weiterreiste, eilte Balzac zurück nach Paris an seinen Schreibtisch, wo er ganz unglaubliche Schreibleistungen vollbrachte, z.B. verfasste er eines seiner grandiosesten Meisterwerke "Vater Goriot" in nur vierzig Tagen (meine Ausgabe des Buches hat 350 Seiten, das wären also etwa 8-9 Seiten pro Tag, nach Aussagen der Biographen arbeitete er an "Vater Goriot" täglich zwischen 16 und 20 Stunden!).

Nach der nächsten kostspieligen Reise schrieb er den ersten Teil der "Verlorenen Illusionen", mein Lieblingsbuch von Balzac, innerhalb von acht Tagen (in meiner Ausgabe 170 Seiten, also ca. 20 Seiten pro Tag, danach erlitt er allerdings einen leichten Schlaganfall vor Erschöpfung).

Interessant ist, dass Balzac, den wir ja auch als einen Angeber kennen, seine Affäre mit Evalina von Hanska mit keinem, auch nur Sterbenswörtchen erwähnte.

Es gab allerdings Pannen: Durch einen Zufall fielen dem Grafen von Hanski zwei heiße Liebesbriefe Balzacs an seine Ehefrau in die Hände. Ein schwerer Schock für die Beteiligten. Jedoch Balzac, der Phantasiebegabte, stellte es so dar, dass es sich um Schreibübungen für einen Roman handelte, die er Frau von Hanska zur werten, fachlichen Beurteilung hatte zukommen lassen.

Der arglose von Hanski schluckte diese Lüge, vor allem, weil er sich auch im Traum nicht vorstellen konnte, dass seine attraktive Frau für einen so hässlichen, dicken, bäurischen Mann schwärmen könnte.

Balzac versuchte indes wie ein Wahnsinniger durch Schreiben Geld für ein weiteres Treffen mit Evalina zusammen zu bekommen.

 

Treffen mit Evalina in Wien

 

Aufgrund von Geldmangel musste das Treffen mehrmals verschoben werden. Doch Anfang Mai 1834 reiste Balzac mit allerlei zusammengeliehenem Geld nach Wien, wo sich die von Hanskis gerade aufhielten.

In Wien hatte Evalina in den Adelskreisen bereits Werbung für ihren Liebhaber gemacht, und die Wiener Szene bereitete Balzac einen rauschenden Empfang. Er wurde auf 1001 gesellschaftlichen Veranstaltungen herumgereicht und hatte nur geringste Gelegenheit, mit Evalina allein zu sein.

Anfang Juni war er schon wieder völlig pleite und musste Wien verlassen: Ein Abschied von Evalina für neun Jahre, genau gesagt bis zwei Jahre nach dem Tod des Grafen von Hanski (1841) im Jahr 1843.

 

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