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Viele Fehlschläge für Balzac ab dem Jahr 1835

 

Von einigen Fehlschlägen Balzacs der kommenden Jahre haben wir bereits gehört: Das gescheiterte Geschäft mit den Silberminen, das Landhaus "Les Jardies", der Tod Madame de Bernys, dann wurde er für einige Tage ins Gefängnis gesteckt, weil er sich der Wehrpflicht entzogen hatte, ein Brand im Lager des Eigenverlags seiner "tolldreisten Geschichten", wieder 35000 Francs Verlust und viele andere kleine und große Dinge.

Auch erlitt Balzac während dieser Zeit mehrere Schwäche-, Herz- und Schlaganfälle, die er natürlich seiner Freundin und auch seinen Verlegern verschwieg. Von seinem Freund und Arzt Dr. Nacquart bekam er den dringenden Rat, kürzer zu treten, aber wir wissen bereits, dass die aus charakterlichen und finanziellen Gründen für Balzac ganz unmöglich war.

Ab und zu machte er jedoch ein paar Tage Ferien auf dem Gutshof Frapesle seiner Freundin Zulma Carraud.

Während Balzac seiner fernen Geliebten Evalina von Hanska unermüdlich romantische Briefe zusendete, in denen er stets betonte, wie er sie anbetet, wie er sie vermisst usw. und ihr in diesen Briefen ein Bild seines Lebens in mönchischer Zurückgezogenheit entwarf, führte er während der Jahre 1833 bis 1841 natürlich keineswegs allein ein solches Leben, sondern immerzu eine Art Doppelleben a la Jekyll und Hyde.

Fünf Jahre lang hatte er z. B. eine sehr intensive Liebesbeziehung mit der Contessa Sarah Guidoboni-Visconti, eine Beziehung, die von Biographen gerne unter den Teppich gekehrt wird.

Dann hatte er ein Techtelmechtel mit Karoline Marbouty, einer bekannten Schriftstellerin und Lebedame, mit der zusammen er nach Italien reiste, um dort eine leidige Erbschaftsangelegenheit für den Mann seiner Freundin Sarah Visconti zu erledigen.

Als diese beiden Beziehungen sich lösten, so etwa 1840/41, fing er ein Verhältnis mit seiner damaligen Haushälterin Luise Breugniot an, die etwa im gleichen Alter mit ihm war.

Ich persönlich finde es bemerkenswert, dass ein Mann, der so aussah und auftrat wie unser Freund Balzac, einen derartig durchschlagenden Erfolg bei Frauen hatte.

Zwei uneheliche Kinder soll er gehabt haben, eines entstanden aus einer Liebesbeziehung Anfang der 30er Jahre mit einer jungen Frau namens Maria du Fresnay, eines mit seiner Geliebten Sarah Visconti.

Seine Auftritte in der Pariser Gesellschaft wurden in allen Zeitungen und Klatschblättern aufgegriffen. Dreiviertel aller Bilder, die von ihm existieren, sind Karrikaturen. Seine Zeitgenossen verzeichneten 2000 Klatsch-Anekdoten über ihn, jedoch keiner verfasste eine nur halbwegs brauchbare Biographie.

                                                        Typische Balzac-Karrikatur

Einer seiner Verleger, Werdet, erzählte von einem in fast jeder Beschreibung Balzacs aufgeführten Abendessen, bei dem Balzac hundert Austern, zwölf Lammkoteletts, eine Ente, zwei Rebhühner, eine Seezunge und etwa ein Dutzend Birnen verzehrte.

Im Oktober 1834 schrieb er an Evalina von Hanska:

"Ich bin so dick geworden, dass die Zeitungen sich darüber lustig machen. Diese Elenden! ... Sie spotten über meinen Schmerbauch, gut! Sie haben eben nichts anderes." (Balzac, zusammengestellt von Werner Fuchs-Hartmann, Leipzig 1940, S. 284).

Natürlich erreichten Evalina im fernen Wolynien die irrsten und beunruhigendsten Gerüchte, z. B. Balzac hätte eine Engländerin geheiratet (Sarah Visconti), Balzac sei gestorben, Balzac sei homosexuell geworden, er hätte sich ein Schloss so groß wie Versailles gebaut, er hätte ein Verhältnis mit der Schriftstellerin George Sand (stimmt nicht, die beiden waren nur befreundet), er hätte eine Million Francs beim Roulette verloren, er sei rauschgiftsüchtig, er säße wegen Hochverrat im Gefängnis. (vgl. Gorham, Stuttgart - Zürich - Salzburg, ohne Jahresangabe, S. 499)

Evalina schrieb vorwurfsvolle Briefe, und Balzac leugnete in seinen Antworten alles ab.

Im übrigen war Evalina Balzac auch nicht treu gewesen. Sie hatte in der Zwischenzeit eine Affäre mit Franz Liszt, dem Komponisten, und mit einem jungen Offizier.

 

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