"Die Schrecknisse, die die Romanschriftsteller zu erfinden glauben, bleiben noch weit hinter der Wirklichkeit zurück"  (Maurois, Wien und Düsseldorf 1966, S. 417).

Das Wahre scheint uns jedoch selten wahrscheinlich; es fehlen Harmonie und Einheitlichkeit. Der Schriftsteller sucht die Einheit der Komposition.

 

Worüber schreibt Balzac?

 

Balzac nennt sich vorzugsweise einen Dichter, und das heißt einen Mann, der die Essenz der Dinge noch einmal schafft. "Was ist Kunst? – Konzentrierte Natur." (ebda.)

Im Mittelpunkt eines balzacischen Romans steht eine Leidenschaft; der Roman ist das Crescendo dieser Leidenschaft, die ansteigt, alles vor sich herwirbelt und bis zum Töten überbordet ...

Balzac: "Ich liebe die außergewöhnlichen Wesen ... Ich vergrößere sie, ich idealisiere sie im umgekehrten Sinn, in ihrer Hässlichkeit oder in ihrer Dummheit. Ich verleihe ihren Deformationen erschreckende oder groteske Dimensionen."

Durch diese Prozedur des Verstärkens würde Balzac den Romantikern nahe stehen (die Balzac auch immer gerne für ihre Richtung vereinnahmt hätten, Anm. d. Verf.), doch wo diese Gefallen daran finden, ohne Rücksicht auf die Wahrscheinlichkeit Ungeheuer zu modellieren, strengt sich Balzac an, durch wahre Einzelheiten innerhalb des menschlichen Bereichs zu bleiben. (Maurois, Wien und Düsseldorf 1966, S. 418)

Stefan Zweig schreibt über die Fähigkeit Balzacs zur tiefen Menschenkenntnis:

"Es war, als ob er nackt und klar das erkennen könnte, was die anderen umhängt und unter tausend Bekleidungen erblickten. Die Physiognomien taten sich ihm auf, alles fiel in seine Sinne, wie der Kern aus einer Frucht. Mit einem Ruck reißt er das Essentielle aus dem Faltenwerk des Unwesentlichen, aber nicht, dass er es frei gräbt, langsam wühlend von Schicht zu Schicht, sondern mit Pulver sprengt er die goldenen Minen des Lebens auf." (Klappentext zu Balzac, Junggesellenwirtschaft, Reinbek bei Hamburg 1981)

 

Es folgen Kurzinhaltsangaben bedeutender Werke Balzacs, geordnet nach Erscheinungsjahr der Bücher.

 

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Die tödlichen Wünsche oder das Chagrinleder (1831)

Unser Held, Raphael de Valentin, hat wirklich Pech. Nach einer schweren Kindheit und Jugendzeit versucht er sich in Paris als Schriftsteller und Philosoph durchs Leben zu schlagen. Doch seine Projekte scheitern allesamt. Dazu kommt, dass seine leidenschaftliche Liebe zu der unnahbaren Gräfin Feodora völlig hoffnungslos ist.

Nachdem er sein letztes Bargeld im Palais-Royal verspielt hat, bleibt eigentlich nur noch der Sprung in die Seine, um sein "nutzloses" Leben zu beenden:

Da führt ihn der Zufall in einen geheimnisvollen Antiquitätenladen, wo er ein orientalisches Zauberleder erwirbt, welches ihm in Zukunft alle seine Wünsche erfüllen soll. Doch was ist der Preis, den er dafür bezahlen muss?

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Eugénie Grandet (1833)

Unsere Heldin, Eugénie, lebt als völlig unbedarftes Mädchen unter der gestrengen Aufsicht ihres erzgeizigen Vaters in der Kleinstadt Saumur.

Das Drama beginnt, als Eugénie sich in ihren durch unglückliche Umstände arm gewordenen Cousin Charles verliebt und diesem mit viel Geld (welches ihr steinreicher Vater eigentlich für ihre Mitgift zurückgelegt hatte) hilft, in die Kolonien zu gehen, damit Charles dort wieder finanziell auf die Beine kommen kann. Dies alles natürlich, nachdem Eugénie sich nach einer harmlosen Liebesszene (die auf unsere Heldin jedoch einen sehr starken Eindruck macht und ihre leidenschaftliche Liebe für Charles begründet) ausmalt, dass Charles bald zurückkommen wird, um sie zu heiraten.

Für diesen Traum nimmt sie mutig den Kampf gegen ihren tyrannischen Vater auf. Als Charles in den Kolonien ein Vermögen erwirbt, denkt er allerdings nur noch wenig an seine Cousine Eugénie, die für sein Glück so viel Unbill auf sich genommen hat.

Was wird Eugénie tun, als sie erfährt, dass Charles - aus den Kolonien zurückgekehrt - daran denkt, eine zwar hässliche, dafür aber reiche und adlige Erbin zu ehelichen?

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Vater Goriot (1835)

Vater Goriot liebt und verwöhnt seine Töchter Anastasie und Delphine über die Maßen. Alles, was er besitzt, gibt er für die beiden Töchter hin, welche mit ihrer jeweils schönen Mitgift schwerreiche, hochangesehene, aber kaltherzige Männer ehelichen. Kaum hat der Vater sein Vermögen auf die beiden Schwiegersöhne übertragen, damit es seinen beiden "Augäpfeln" auch gut gehe, verlieren die Schwiegersöhne jedes Interesse an dem linkischen, bürgerlichen Schwiegervater, der auf jeder festlichen Veranstaltung zu stören scheint. Den Töchtern wird von ihren Ehemännern der Umgang mit dem Vater untersagt.

Werden sich die beiden geliebten Töchter, von Goriot zärtlich "Nasie" und "Fifine" genannt, über das Verbot ihrer Ehemänner hinwegsetzen, um ans Sterbebett ihres Vaters zu eilen, als die jungen Studenten Bianchon und Rastignac, die Vater Goriot während seiner letzten Tage pflegen, sie bitten zu kommen?

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Die Lilie im Tal (1835)

Der Gymnasiast Félix de Vandernesse verliebt sich rasend in die zwanzig Jahre ältere Henriette de Mortsauf in dem Moment, als er sie das erste Mal auf einem Ball erblickt. Und auch Henriette, die eine langweilige konventionelle Ehe führt, ist Félix nicht abgeneigt. Doch sie kann dem Korsett der Moral nicht entkommen, kann sich nicht befreien und ihrer Liebe hingeben.

Félix verstrickt sich in eine Liaison mit einer anderen Frau. Bedeutet diese andere Beziehung aber die Erfüllung, die er sich mit Henriette erträumt, erhofft hatte?

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Cesar Birotteau (1837)

Cesar hat es durch Fleiß und Lauterkeit zu einer respektablen Position als ehrenamtlicher Beigeordneter des Bürgermeisters des Pariser Stadtteils Marais gebracht, und er führt sein Parfümerie-Geschäft - vor allem mit Hilfe seiner geschäftstüchtigen Gattin - mit großer Umsicht. Doch mit Neidern und Bösewichten hatte unser Held Cesar nicht genügend gerechnet. Die gerichtliche Konkursverhandlung über sein Geschäft verkraftet Cesar anscheinend noch irgendwie glimpflich, aber letztendlich bricht dem Ehrenwerten sein wirtschaftlicher Niedergang das Herz.

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Verlorene Illusionen (1837)

Dem schönen, phantasiebegabten, jugendlichen "Dichter" Lucien Chardon wird die Kleinstadt Angoulême zu eng. Mit Hilfe der adligen Madame de Bargenton, in die Lucien verliebt ist, geht er mit hochfliegenden Plänen nach Paris. Das Geld, welches seine arme Mutter, seine Schwester und der Mann der Schwester - der beste Freund Luciens, der erfolglose Druckereibesitzer David Séchard - sich für Luciens Paris-Trip vom Munde abgespart haben, verplempert der Unerfahrene in wenigen Tagen auf dem teuren Pariser Pflaster; Geld, welches eigentlich für ein Jahr hätte reichen sollen.

Doch Lucien gibt nicht so leicht auf: Er legt sich den adligen Namen seiner Mutter, de Rubempré, zu, versucht sich ehrgeizig der Protektion der Adligen zu versichern und verschleudert sein literarisches Talent, indem er sich in der Intrigenwirtschaft des Journalismus verdingt.

Doch seine Versuche, in der Großstadt Fuß zu fassen, scheitern kläglich. Selbst Opfer von Intrigen geworden, zieht Lucien seinen besten Freund David in eine Geldschuldaffäre hinein, die seine Familie, die Mutter, die Schwester und den Schwager, fast in den totalen Ruin treibt. Allein durch ein Wunder wird der Kreis von Luciens Lieben gerettet.

Und für Lucien bleibt nun nur noch die Möglichkeit - will er sich nicht das Leben nehmen - einen Teufelpakt zu schließen!

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Glanz und Elend der Kurtisanen (1844 – 1847 vier Teile!)

Hier setzt sich die Geschichte des Lucien de Rubempré, den wir aus "Verlorene Illusionen" bereits kennen, fort. Lucien, der erfolglose Held kehrt mit seinem gefährlichen, verbrecherischen Protektor Vautrin nach Paris zurück - das Paris, in welchem er vordem so kläglich gescheitert war.

Dort begegnet er der Dirne Esther, die bereit ist für ihre Liebe zu Lucien alles aufzugeben, sogar ihr Leben. Doch auch unseren Lucien, den wir auf seinem langen Weg von der Kleinstadt Angoulême bis in die Abgründe des Molochs Paris treu begleitet haben, müssen wir am Ende einbüßen, nicht ohne zuvor die Wahrheit über das grausame Leben der Kurtisanen erfahren zu haben. Am Grab Luciens und Esthers zeigt sogar der kalte Zyniker Vautrin eine menschliche Regung.

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