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Leben als berühmter Autor

 

Ab dem Zeitpunkt seines schriftstellerischen Durchbruchs im Jahr 1829 begann Balzac das Leben zu führen, für welches er bereits zu seinen Lebzeiten bekannt geworden ist:

Es ist eine Art Doppelleben des Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

Einerseits gab es keinen Autor, der derart produktiv und hart arbeitete wie Balzac!

Andererseits tauchte kaum eine Person so oft im gesellschaftlichen Leben von Paris auf, produzierte so viele Skandale, Gerüchte, Anekdoten, Histörchen.

Wenn wir einen Blick auf sein Leben als Schriftsteller werfen, auf seinen Arbeitsstil und sein riesenumfangreiches Werk, können wir uns kaum vorstellen, wie er es "nebenbei" noch schaffte, ständig in den Salons, den Theatern, auf den festlichen Veranstaltungen präsent zu sein.

                                               

Nach seinem Bekannt werden bekam Balzac eine unglaubliche Menge von Schreibaufträgen aller Art, und er nahm sie alle an!

Es ist überliefert, dass andere Schriftsteller seiner Zeit, z. B. Alexandre Dumas, sich ein ganzes Heer von Schreibern hielten (Dumas angeblich 73 Mitarbeiter!). Die berühmten Autoren setzten nur noch ihre Namen unter die Machwerke, wodurch die Bücher wertvoll wurden und sich verkauften. Balzac schrieb jedoch jede Zeile seines Werkes selbst.

Während der Jahre 1830 und 1831 verfasste er Tausende von Seiten über jedes erdenkliche Thema: Novellen, kleine Romane, Zeitungsartikel, Plaudereien, Kurzgeschichten. Dabei war ihm jedes Thema recht: "Die Physiologie des Beamten", "die Monographie des Rentiers", "der sittliche Wert einer Flasche Champagner", "die Physiologie der Zigarre", "die Philosophie der Kleidung", "eine Episode aus der Zeit des Terrors", "eine Passion in der Wüste" und so weiter. Die Bezahlung der Manuskripte erfolgte nach Länge der Beiträge, also nach Zeilen oder Seiten, und Balzac, der Schuldenbeladene, versuchte daher möglichst viele Schreibaufträge an Land zu ziehen.

Für royalistische Zeitungen veröffentlichte er Artikel unter seinem eigenen Namen, gleichzeitig schrieb er für linksgerichtete Zeitungen unter einem Pseudonym. Unter wieder einem anderen Namen verfasste er (natürlich lobende, positive) Rezensionen für seine eigenen Bücher und rührte damit die Werbetrommel.

                       

Ab den 30er Jahren des 19. Jh. etablierte sich in französischen Tageszeitungen der sog. Feuiletton-Roman. Viele Bücher Balzacs wurden auf diese Weise als Fortsetzungsromane in Zeitungen veröffentlicht, was seinen Schreibstil wiederum auf andere Weise prägte (z.B. während der Jahre 1837 bis 1847 pro Jahr ein Roman in der 1836 gegründeten Tageszeitung "La Presse"). Die Form des Fortsetzungsromans erfordert ein anderes Aufbauen von Spannungsbögen, die Erzeugung einer größeren "Spannungsdichte", welches für viele Romane Balzacs einen Gewinn darstellte.

Nach Schätzungen müsste er während dieser Jahre pro Tag durchschnittlich etwa 16 druckreife Seiten produziert haben. Man könnte von etwa einer zehnstündigen, täglichen Schreibzeit sommers wie winters, werktags wie sonntags ausgehen.

 

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