zurück

 

Vermächtnis und Ausblick

 

Seiner Ehefrau hinterließ Balzac seine utopischen Schulden (zum Schluss etwa eine halbe Million Francs) und die Rechte an seinen Büchern. Alle erwarteten, dass sie das Erbe ablehnen würde, doch Evalina reagierte anders: Sie bezahlte alle Schulden und setzte, so wie es Honoré gewünscht hatte, der Mutter Anne Charlotte eine Rente aus.

Die Tochter Evalinas, Anna, und ihr Mann Graf Mniszech zogen übrigens später nach Paris zu Evalina. Sie gaben ihre gesamten Ländereien und Wohnsitze in Polen ab (an einen Bruder Evalinas), sollten jedoch später alles Vermögen, was sie aus dem Verkauf der Güter erhielten, verschwenden und verlieren. Graf Mniszech verlor aufgrund eines Schlaganfalls im Jahr 1875 den Verstand und starb sechs Jahre später. Anna musste alles, was noch an Besitz vorhanden war, verkaufen, die kostbare Insektensammlung ihres Mannes, das kleine Schloss, welches die Mniszechs in Frankreich erworben hatten und musste ins Kloster ziehen. Doch das ist eine andere Geschichte ...

Evalina verwaltete in ihren letzten Jahren sehr geschickt das literarische Erbe ihres verstorbenen Mannes und kümmerte sich darum, dass seine Werke veröffentlicht wurden. Sie versuchte auch, die noch nicht beendeten Romane, von denen teilweise nur Skizzen und Konzepte vorlagen, durch andere Dichter beenden zu lassen. Diese Idee funktionierte allerdings nicht.

 

Zum Abschluss nochmals Bazac über sich selbst, denn wer kennt ihn besser, als er sich?

"Ich berge in meinen fünf Fuß zwei Zoll alle erdenklichen Zusammenhanglosigkeiten und Gegensätze, und wer mich für eitel hält, für verschwenderisch, halsstarrig, leichtfertig, für keiner Folgerichtigkeit des Denkens fähig, für geckenhaft, nachlässig, faul, unüberlegt, unbeständig, schwatzhaft, taktlos, ungehobelt, unhöflich, rappelköpfisch, unausgeglichen in den Stimmungen, hat sicherlich genauso recht wie die, die etwa sagen, ich sei sparsam, bescheiden, mutig, zäh, energisch, höflich, immer frohgemut. Wer da sagt, ich sei ein Feigling, der hat nicht minder unrecht, als wer da sagt, ich sei über die Maßen tapfer; kurzum: ob nun gelehrt oder unwissend, begabt oder talentlos - an mir selbst wundert mich nichts mehr.

Letztlich glaube ich, dass ich nur ein Instrument bin, auf dem die Umstände spielen."

(aus Maurois, Wien-Düsseldorf, 1966, S. 112/13)

 

zurück