zurück

 

Verlorene Geschäfte

 

Herausgabe von Büchern

 

Der erste Wunsch Balzacs für sein Leben - die Liebe - hatte sich in der Begegnung mit Madame de Berny erfüllt.

Was den zweiten Wunsch - den Ruhm - anging, steckte Balzac jedoch Anfang der 20er Jahre in der Sackgasse der Schundromane-Schreiberei fest. Doch Ende des Jahres 1824, Balzac war 25 Jahre alt, taten sich plötzlich in seinem Leben neue berufliche Perspektiven auf.

Vorweg muss man feststellen, dass ausnahmslos alle enthusiastisch begonnenen geschäftlichen Projekte, für die Balzac sich während seines Lebens einsetzte, scheiterten.

Nach Balzacs Pleiten in den Geschäften, griffen andere seine Firmen-Ideen auf und führten die Unternehmungen zu großen Erfolgen.

Sein erstes Geschäft sollte es sein, zusammen mit dem Buchhändler und Verleger Canel eine Art Paperback-Ausgabe der französischen Klassiker herauszubringen.

Balzac war von dieser Idee vollkommen begeistert: Die französischen Klassiker Voltaire, Lafontaine, Moliere als einfache Druckwerke für jedermann erschwinglich!

Doch die Sache wurde aufgrund Balzacs Überschwänglichkeit ein Riesenfehlschlag. Der vorsichtige Canel, der auch Urheber der Idee war, versuchte, die Herstellungskosten so gering wie möglich zu halten: billiges Papier, winzige Drucktype, keine der damals üblichen Vignetten oder Bilder, einfacher Einband. Doch Balzac schlug all diese Überlegungen in den Wind und produzierte gegen den Willen des Geschäftspartners eine sehr feine, anspruchsvolle, jedoch völlig unverkäufliche Ausgabe der gesammelten Lafontaineschen Fabeln. Von der Auflage, die auf Massenabsatz hin projektiert war, waren nach einem Jahr von 1000 nur 20 Exemplare verkauft, und Balzac stand mit 15000 Francs Schulden da.

Die Idee, günstige, einfache Bücher für die breite Bevölkerung zu drucken, wurde, wie wir alle wissen, zu späteren Zeiten das großartigste Geschäft.

 

Druckerei

 

Balzac zog aus dem gescheiterten Buchverlagsprojekt die Erkenntnis, dass die wahrhaft Verdienenden an Büchern, die Druckereien seien und entschloss sich, eine eigene Druckerei zu eröffnen.

Zu dieser politisch unsicheren Zeit, benötigte man zur Führung einer Druckerei die Genehmigung des Königs, die ungemein schwer zu erhalten war. Balzac bekam sie allein durch das Engagement seiner adligen Freundin Madame de Berny. Er suchte sich eine Druckerei, die zum Verkauf stand, und fand sie in dem Unternehmen Ainé in der Rue des Marais Nr. 17 (heute Rue Visconti) einer winzigen dunklen Gasse am linken Seine-Ufer im Faubourg St. Germain. (Bilder der Rue Visconti im Jahr 2001 unten, Bilder B. Licht)

Eine Druckerei, so schien es seiner Familie und seinen Freunden, wäre eine solide Sache. Balzac hatte keine Schwierigkeiten, sich das Geld dafür zusammen zu leihen, Kredite zu erhalten. Über der Druckerei richtete er sich seine erste eigene Wohnung ein und stürzte sich voller Elan in sein neues Dasein als Unternehmer. Er selbst arbeitete von Anfang an in der Produktion mit, und überdies kümmerte er sich um das Einholen von Aufträgen, damit die Pressen immerzu Futter hatten.

Er begann dieses Geschäft mit 24 Mitarbeitern und 7 stets laufenden Druckerpressen, er beendete es nach drei Jahren im Jahr 1828 mit einem Totalbankrott und 100000 Francs Schulden.

Als geschäftlicher Neuling hatte er Fehler gemacht, den falschen Leuten getraut, war Opfer eines Wechselbetrugs geworden.

Seine Geschäfte - er hatte noch eine Letterngießerei, die nach einem neuen Verfahren arbeitete, hinzu gekauft - begannen sofort zu florieren, als Balzac sie in andere Hände übergeben musste.

Wiederum musste er sich an seine Familie um Hilfe wenden.

Um das öffentliche Bekannt werden des Firmenkonkurses zu verhindern, übertrug die wesentlich geschäftstüchtigere Mutter Anne Charlotte die Liquidation der Firma einem Vetter der Familie, der ein ganzes Jahr brauchte, um Licht und Ordnung in das Chaos von Balzacs Firmenunterlagen zu bringen.

Die zunächst sinnvollste Amtshandlung des Vetters Sédillaud war es, Balzac selbst völlig auszuschalten. Honorés Familie zwang ihn, sich bei Nacht und Nebel davonzumachen. Er musste seine geliebte erste eigene Wohnung von einem Tag auf den anderen verlassen und kam bei einem Bekannten, Henri Latouche, einem freundlichen aber geschwätzigen Schreiberling, unter. Eine eigene Wohnung durfte er sich zunächst nicht nehmen, weil er sogleich Opfer seiner zahlreichen Gläubiger geworden wäre.

Wenn wir das Bild unten betrachten, sehen wir, dass die Rue Visconti eine sehr schmale Straße ist. Heute ist der Stadtteil St. Germain de Pres, in dem die Rue Visconti liegt, zu einem Viertel für Touristen und Künstler aufgestiegen. Jedes zweite Haus beherbergt ein Kunstlädchen, eine Galerie, ein Antiquitätengeschäft oder Buchantiquariat, Schmuckladen oder Künstlercafé. Im Haus, in dem Balzac seine Druckerei unterhielt, ist heute eine große Buchhandlung untergebracht. Das Haus erkennt man unten auf der rechten Bildseite.

 

 

zurück