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Zum 200. Geburtstag von

Honoré de Balzac!

Leben und Werk des Romanciers vorgestellt von Bettina Licht

Honoré de Balzac: Leben und Werk

"Zu großen Arbeiten gehören große Maßlosigkeiten ..."

(Honoré de Balzac, September 1832

aus Maurois, Wien-Düsseldorf, 1966, S. 207)

 

 

"Bei Balzac passten die vordergründig zur Schau getragenen Anzeichen einer unbändigen, robusten Gesundheit auf eigenartige Weise nicht mit einer Art romantischen – geradezu grünlichen – Blässe seiner Ausstrahlung zusammen.

Sein Blut strömte durch Adern, die reinrassig der tourainischen Landschaft entstammten. Es trieb eine kräftige Purpurfarbe in seine Wangen und erfüllte intensiv und warm seine breiten, sinnlichen Lippen, die jederzeit bereit zu sein schienen, in heiteres Gelächter auszubrechen. Ein schmaler Schnauzbart und ein kleines Schönheitsmal betonten seine Lippenlinien ohne sie zu verunzieren.

Seine Stirn war breit, wohlgestalt und nobel, sehr hell im Vergleich zum übrigen Gesicht und wurde nur durch eine steile Furche oberhalb der Nasenwurzel markiert. Angefüllt mit einem immensen Gedächtnis für Orte und Situationen trat sie bemerkenswert über den starken Augenbrauen hervor.

Die Masse seines langen, dicken, dunklen Haares trug er dramatisch zurückgeworfen wie die Mähne eines Löwen.

Was seine Augen betrifft: sie waren ganz außerordentlich! In ihnen drückte sich schier unglaubliche, lichte und magnetisch anziehende Lebenskraft aus. Trotz seiner ständigen schlaflosen Nächte blickten sie klar und rein mit leicht bläulichem Widerschein, wie vielleicht die Augen eines Kindes oder einer Jungfrau; vom Innern der Augen leuchteten zwei schwarze Diamanten heraus, die von Zeit zu Zeit wie mit goldenem Glanz verzaubert aufblitzten.

Das waren die Augen, die einen Adler bezwingen können, die Wände und Seelen gleichermaßen durchdringen und selbst das wildeste Tier mit einem Blick zum Schweigen bringen. Das waren die Augen eines wahrhaften Herrschers, eines Propheten, eines Eroberers."

(Ein Freund Balzacs, Theophile Gautier, in der Zeitschrift L’Artiste 1858, entnommen Meyer-Petit, Panchout, Paris 1991, S. 8)

 

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